Unzuverlässiger Pflegedienst

Die vom Krankenhaus haben mir ja einen Pflegedienst aufs Auge gedrückt. Denn als ich entlassen wurde, hatte ich das mit dem Kanülenwechsel erst zwei Mal selbst gemacht. Also war man der Meinung, dass ich unbedingt einen Pflegedienst brauche, damit ich nicht zu Hause ersticke.

Entlassen worden bin ich an einem Sonntag, denn der Pflegedienst sei ja für Montag organisiert.

Was soll ich sagen, der Pflegedienst kam Montag nicht. Dienstag auch nicht. Gut. Dienstag habe ich dann die Kanüle alleine gewechselt. Ging auch. War aber nicht schön, weil irgendwie hat mir dann doch der Zuschauer gefehlt, der notfalls korrigiert.

Immerhin rief dann Dienstag Nachmittag jemand an und kündigte sich für Mittwoch 8 Uhr an. Ok. Normalerweise würde ich da gerade erst aufstehen, aber 7 Uhr ist auch ok. Bin ich dann auch. Um 7.50 Uhr saß ich praktisch bereit. Alles lag parat. Tisch abgewischt. Hund aus dem Zimmer gelotst. Tücher. Handtücher und was weiß ich nicht alles auf Startposition.

Wer nicht kam war der Pflegedienst. Um 8.40 Uhr hat mein Mann dann mal angerufen. Tsja, irgendeine Zentrale. Der Telefondienst in Reinbek beginnt wohl erst um 9 Uhr.

Um 9.05 Uhr kam dann eine Pflegerin. Irgendeine Frau mit starkem Akzent aus den östlichen Bundesländern, die uns irgendwie erklären wollte, dass sie eine Stunde unsere Adresse gesucht habe. Hm. Sehr mysteriös. So versteckt wohnen wir wirklich nicht. Das man vielleicht mal ein Mal um den Block läuft, da unser Haus etwas zurückgesetzt ist, ok. Aber das würde, aber nur wenn man rückwärts einbeinig springt, sicherlich zehn Minuten Verspätung erklären. Aber nicht eine Stunde.

Ok. Ich der Frau also erklärt, dass ich das vom Prinzip her selber kann mit dem Kanülenwechsel, sie aber zugucken und aufpassen soll und eben nur eingreifen soll, wenn ich was falsch mache. Etwas mühselig, ich muss so was ja immer aufschreiben. Kanülenwechsel hat geklappt. Am Ende habe ich dann noch den Druck überprüft, mit dem die Kanüle geblockt wird. Das hat die gute Frau noch nie gesehen. Irgendwie war das nicht sehr Vertrauen erweckend. Ok. Für den nächsten Tag haben wir dann 9 Uhr ausgemacht. Und falls es so viel später wird, solle sie doch bitte anrufen.

Um 9.05 Uhr kam dann auch jemand. Diesmal ein Pfleger. Sehr nett. Immerhin pünktlich. Und auch ihm musste ich dann wieder alles erklären (merke: Schmeiß bloß keine Zettel mit Erklärungen weg, du könntest sie noch einmal brauchen). Immerhin habe ich den Pfleger dann fast zehn Tage behalten, an einem Tag kam eine Vertretung, da er auch mal frei hatte. Er kam dann meist zwischen 8.45 Uhr und 9.20 Uhr, was auch ok ist von der Zeitspanne (aber eine Stunde zu spät mit einer Ausrede, die einfach nicht stimmen kann, fand ich echt frech von der ersten Pflegerin). Einmal hat er allerdings den Vogel abgeschossen, da kam er um 8.15 Uhr. Da klingelte gerade mein Wecker 🙂

Ich denke, dass der Pflegedienst ansonsten nur Menschen pflegt, die ansonsten den ganzen Tag nichts zu tun haben und für die es völlig egal ist, um der Pfleger oder die Pflegerin eben um 8 oder um 9 Uhr. Oder um 12 oder um 11 Uhr kommt. Bei mir ist das aber nicht so. Schließlich haben wir hier noch einen Hund. Ok, im Moment kann mein Mann dann auch mit dem Hund alleine raus gehen, aber spätestens wenn er dann Frühdienst hat, ginge das nicht. Daher werde ich den Pflegedienst für nächste Woche dann auch kündigen. Vor allem wegen dem, was die sich jetzt am Samstag geleistet haben.

Freitag verabschiedete sich der sehr nette Pfleger von mir. Er habe jetzt am Wochenende frei und nächste Woche würde er in den Spätdienst wechseln. Schade, der war echt nett.

Am Freitagmittag haben wir dann einen Anruf verpasst. Vom Pflegedienst. Haben wir aber auch erst am Samstag gesehen. Am Samstag stand ich pünktlich um 8.40 Uhr wieder in den Startlöchern. Um 9.50 Uhr ist mein Mann alleine mit dem Hund rausgegangen. Um 10.40 Uhr hatte ich keine Lust mehr und habe die Kanüle eben alleine gewechselt. Ging immerhin ohne, dass ich wieder irgendwo gegen geschlagen bin und geblutet hätte.

Gegen 12 Uhr rief mein Mann dann mal an beim Pflegedienst. Meinen die am Telefon: Aja, gut dass Sie anrufen, wir wollten Sie ja gestern schon anrufen, es ist im Moment so viel zu tun, dass heute keiner kommt. Der Verband (ich hab noch eine PEG) wäre ja erst am Freitag gewechselt worden. Da wäre das nicht nötig. Und außerdem, wenn was wäre, könne seine Frau ja bei Ihnen anrufen. Mein Mann leicht irritiert: Meine Frau hat eine Kanüle im Hals und kann nicht sprechen. Wie soll Sie dann anrufen? Antwort des Pflegedienstes: Das würde schon gehen, wenn am Telefon nur etwas röcheln würden, dann wüßte man ja, dass ich das sein würde und würde dann kommen.

Da fällt mir nichts mehr zu ein. Wobei ich schon Lust hätte, das auszuprobieren. Da anrufen, Darth-Vader mäßig ins Telefon röcheln und dann gucken, ob wirklich jemand kommt. Aber irgendwie hat das was von Missbrauch einer Notruftelefonnummer, daher lasse ich das besser.

Naja, mit dem Kanülenwechsel komme ich soweit selbst klar. Falls ich wieder zu hektisch vorgehe und es bluten sollte, das Krankenhaus ist ja nicht weit weg.

Aber dieser Pflegedienst ist mir echt zu unzuverlässig. Ich mein, ich bin ja jetzt nicht gerade die höchste Pflegestufe. Und ich bin ja sicherlich auch nicht hilflos. Und im Zweifelsfall habe ich noch Nachbarn oder natürlich auch meinen Mann (wenn der eben nicht gerade arbeiten ist). Aber man kann doch soviel Respekt von so einem Dienst erwarten, dass die halbwegs pünktlich kommen und vor allem Bescheid sagen, wenn sie nicht kommen?

Veröffentlicht von

Anabell

45 Jahre, weiblich, Krebsart: Pharynxkarzinom, genauer: Oropharynx (T3). Und mehr über mich hier im Blog. Oder hier: Wer ich bin.

3 Gedanken zu „Unzuverlässiger Pflegedienst“

  1. Meine Liebe, nun bin ich doch noch hängen geblieben und ich amüsiere mich gerade herzhaft!
    Mein Pflegedienst kam auch nicht und ich wurde an einem Freitag entlassen 🙂 Der Sozialarbeiter im Krankenhaus hatte es vergessen. Tja, Montag fiel es ihm ein, da war meine Hausärztin aber im Urlaub – für 3 Wochen. So kam es dann, dass mein Mann meinte, nun haben wir das Wochenende ohne Pflegedienst geschafft, dann wirds wohl so auch ohne gehen. Zum Schiessen. Ähnliches ist dann auch noch bei der Kur passiert. Aber das erzähl ich dir mal in Ruhe 😉
    bis bald, Petra

    1. Aber genau mit solchen Aktionen wird man eigentlich stärker. Mir ging es zumindest so, dass ich dann irgendwann so wütend war, dass ich gesagt habe, ne, die brauch ich nicht 🙂

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