Trachealkanüle ist raus

Ich bin die Trachealkanüle los. Ok, ich habe ein Loch im Hals, was da eigentlich nicht hingehört, da der Luftröhrenschnitt ja weiterhin existiert und es wohl gut vier Wochen dauern kann (oder sogar länger) bis er zugewachsen ist. Aber die Trachealkanüle bin ich los.

Ich kann es kaum fassen. Ich habe heute noch einen Termin im Krankenhaus Winsen bekommen und zwar in der HNO-Ambulanz. Eigentlich hatten auch die ja erst etwas in drei bis vier Wochen frei, aber als ich der guten Frau am Telefon bei der Aufnahme mein Leid geklagt habe, meinte sie, heute noch oder eben erst in zwei Wochen. Ich hab sofort für heute den Termin gebucht.

Wir waren dann ganz pünktlich da. Vor uns vier andere Patientinnen und Patienten. Der Arzt hat sich für jeden ziemlich viel Zeit genommen und so kamen wir trotz Termin etwa 1,5 Stunden später dran.

Es war einer der Ärzte, die mich auch operiert haben. Er war ein wenig überrascht mich doch in so halbwegs guter Verfassung zu sehen, er hatte nämlich erst vor wenigen Tagen den Bericht von der Bestrahlung bekommen und da auch gelesen wie sehr bei mir die Nebenwirkungen auch bei der Chemotherapie zugeschlagen haben.

Klar, ich musste mir natürlich wieder anhören, dass man bei Krebs die Erfahrung gemacht habe, dass wenn die Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie so heftig sind wie bei mir, das das nur ein gutes Zeichen sei, weil das eben so gut wirkt. Leute, ihr könnt mir das mit euren Doktor-Titeln noch hundert Mal erzählen, ich glaub es euch nicht. Das soll Menschen wie mich nur trösten, die so leiden. Naja, ob die ganze Therapie und Behandlung wirklich gegen den Krebs geholfen hat, das weiß ich wohl eh erst in fünf Jahren bei der letzten Nachuntersuchung.

Immerhin habe ich noch etwas anderes erfahren nach der ersten Untersuchung. Der HNO Arzt untersuchte die Stelle im Rachen an der ich den Krebs hatte und mit Ultraschall auch meinen Hals, da wo sie mir die Lymphknoten rausgenommen hatten. Beides sah gut aus. Das hat ihn ebenso gefreut wie mich. Denn meine Krebsoperation war damals etwas umstritten zuvor. Es waren ja mehrere Ärzte, unter anderem er, mehrere Kollegen und dann noch der Chefarzt des ganzen. Insgesamt war man wohl eher nicht so optimistisch, dass mein Rachenhinterwandkrebs überhaupt noch operabel ist. Denn es muss ja nicht nur der Tumor selbst rausgeschnitten werden, sondern eben noch etwas benachbartes Gewebe, damit man ganz sicher sein kann, dass keine bösen Krebszellen zurückbleiben. Und im Rachen ist eben nicht gerade viel Speck oder eben Gewebe da, das man mit rausnehmen könnte. Daher hieß es damals am Tag vor der Operation nach der letzten Untersuchung bei der großen Besprechung das die Chancen Fifty-Fifty stehen: Ich wach auf und bin operiert oder ich war auf und kann am nächsten Tag nach Hause, weil es eben nicht ging. Der Oberchefarzt gehörte wohl zu denen, die der Meinung waren, operieren geht noch, auch wegen meinem Alter. Und mit Operation, das ist klar, ist meine Chance eben besser den Krebs zu besiegen.

War interessant, ich hab das zwar im November vor meiner Operation alles auch so mitbekommen, aber da war ich ja irgendwie teils schon hinter einem Nebel.

Gut, weiter ging es mit der Trachealkanüle. Es gäbe keinen Grund, warum die noch weiter drinnen bleiben müßte. Die könne raus. Der gute Arzt reichte mir ein Schälchen, ich sollte sie einfach rausnehmen. Nix mit stationär dableiben. Rausnehmen, abkleben, ab nach Hause. Und so haben wir das dann auch gemacht. Also mein HNO-Arzt zu Hause ist echt hm, sehr zurückhaltend bzw. Risiko scheuend.

Ich nahm mir die Kanüle raus, die wurde weggeworfen, dann wurde abgeklebt und nach noch ein paar Minuten hin und her und ein wenig reden etc. bekam ich noch einen Termin für Ende Mai, für die Tumorsprechstunde. Und es ging von Winsen wieder nach Hause. So einfach war das. Kanüle raus, Pflaster drauf.

Veröffentlicht von

Anabell

45 Jahre, weiblich, Krebsart: Pharynxkarzinom, genauer: Oropharynx (T3). Und mehr über mich hier im Blog. Oder hier: Wer ich bin.

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