Mundtrockenheit ein Jahr nach der Bestrahlung und die Sache mit dem Essen

Zeit für ein kleines Fazit. Vor über dreizehn Monaten ist ja meine Bestrahlung zu Ende gegangen. Eine fürchterliche Zeit, auch die ersten Tage danach habe ich zwar kaum noch in Erinnerung, weil es mir da so schrecklich schlecht ging, aber ich weiß eben noch, wie schlecht es mir ging. Alleine, dass ich aus den letzten Wochen kein einziges Foto habe, sagt alles. Normalerweise mache ich ständig Fotos mit meinem Handy, nicht von mir, nein, eher von unserem Hund.

Damals meinte der Arzt bei der Strahlenklinik, ich könnte in ein paar Wochen wieder Steak essen.

Tsja, wie sieht es denn heute aus? Heute noch leide ich unter trockenem Mund. Aus dem Haus gehe ich eigentlich nur mit Wasserflasche. Habe ich sie vergessen, wird unterwegs eben eine neue Flasche gekauft. Essen geht teilweise gar nicht. Ich habe zwar einige Gerichte gefunden, die ich ganz gut essen kann, aber noch heute passiert es mir, wenn ich etwas erwische, was ich zu lange im Mund habe und doch nicht schlucken kann, dann ist rum. Dann habe ich keine Lust mehr. Das passiert mir besonders häufig mit eigentlich weichen Brötchen. Sind sie zu weich, dann schaffe ich es meistens nicht. Keine Ahnung warum, aber ich weich dann meist auf meinen Joghurt aus.

Schokolade pur, na ja. Ab und an esse ich paar Krümel so. Aber das zartschmelzende Erlebnis von früher ist einfach weg. Leider. Schokolade ess ich nur noch in Verbindung mit Joghurt, am liebsten inzwischen 85 Prozent Schokolade, auch weil die so gut riecht (von Mercadona gibt es hier eine, die riecht so was von gut). Apro pro riechen, so richtig schmecken ist bis heute nicht. Aber ich erfreue mich dennoch an der einen oder anderen Speise. Sei es eben wegen dem Geruch oder der besonderen Konsistenz.

Was ich merke, ist Schärfe. Aber Schärfe ist ja kein Geschmack, sondern ein Schmerz. Oder so ähnlich.

Ein paar Tipps bei Mundtrockenheit habe ich hier veröffentlicht: Das hilft bei Mundtrockenheit bei bzw. nach einer Bestrahlung

Und wie war das jetzt mit dem Steak?

Also alle vier Wochen etwa mach ich einen neuen Versuch. Der letzte Versuch war so lala. Ca. 100 Gramm Rinderfilet vom Grill waren es, ging leidlich, nicht so wie ich es gerne gehabt hätte, danach habe ich lieber noch ein Müsli gegessen. Wenn wir grillen – und wir grillen oft, gibt es für mich meist eine Bratwurst oder eben Gemüse vom Grill (Vegetarisch Grillen). Was mich ärgert ist, dass mein leckeres Tsatziki, eigentlich fester Bestandteil beim Grillen, fast gar nicht mehr geht. Viel zu scharf.

Was gut schmeckt, aber auch nur als Miniportion möglich ist, weil eigentlich zu scharf, ist selbst gemachtes Gyros mit einer gekauften Gewürzmischung. Wenn ich da das richtige Fleisch erwische (es darf auf keinen Fall zu mager sein), dann schaffe ich auch mal 200 Gramm. Ok,ohne jetzt Pommes oder Kartoffel dazu zumessen. Und damit es besser rutscht gibt es eben kein Tsatziki, sondern Grilltomate.

So, ok, hört sich jetzt alles nicht wirklich so nach Leiden an. Aber manchmal ist es schon sehr nervig. Neulich war ich zur Tumornachuntersuchung in Deutschland. Vier Tage. Früher, vor dem Krebs, wäre das gar kein Problem gewesen. Bei Hunger hätte ich eben eine der zahlreichen Möglichkeiten am Bahnhof nutzen können. Mal eine Pizza oder leckere Chicken-Teile oder etwas vom Bäcker eben. Und diesmal? Ich war froh, dass ich bereits Samstag angekommen bin und da noch einen offenen Supermarkt gefunden habe, um mir einige Becher Joghurt kaufen zu können. Ich hab zwei Mal eine Suppe zu essen bekommen, ansonsten halt jede Menge Joghurt. Einmal habe ich einen Berliner ausprobiert, aber nach zwei Bissen ging nichts mehr. Also unterwegs sein, ist schon sehr nervig.

Veröffentlicht von

Anabell

45 Jahre, weiblich, Krebsart: Pharynxkarzinom, genauer: Oropharynx (T3). Und mehr über mich hier im Blog. Oder hier: Wer ich bin.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.