Meine Mutter an Krebs gestorben

Nicht überraschend aber doch sehr plötzlich ist nun meine Mutter in Folge ihrer Krebserkrankung gestorben. Bei ihr war schon vor drei Jahren Krebs diagnostiziert worden. Da ihr Herz schwach war, hat man sie nicht operieren können, sie hat nur Bestrahlung und Chemotherapie über sich ergehen lassen müssen. Wie sie zu mir mal sagte: Ein Nachteil.

Eine ganze Weile ging es ihr nach der Krebsbehandlung den Umständen entsprechend gut. Dann wurde sie wieder müder und schlapper und schob es auf die Spätfolgen. Eine Untersuchung zeigte dann aber, es hatten sich Metastasen gebildet. Ein paar Tage nach dieser Untersuchung kam sie ins Krankenhaus da sie schlecht Luft bekam. Noch war sie klar und konnte reden und planen. Innerhalb von wenigen Tagen verschlechterte sich dann ihr Zustand aber rapide.

Und so starb sie schließlich.

Ich habe damit jemanden verloren, der mir gerade am Telefon immer wieder Auftrieb gab. Klar, mein Mann bemüht sich nach Kräften mich zu unterstützen und für mich da zusein. Aber er hat selbst oft genug Angst vor diesem Scheiß-Krebs und wie soll er mir da mit meiner Angst helfen? Richtig verstehen kann er einige Gedanken eh nicht, das kann glaube ich nur jemand, der selbst mit dem Tod vis-a-Vis durchs Leben läuft. So wie meine Mutter eben bis jetzt. Unvergessen bleibt mir zum Beispiel eins unserer letzten Telefonate. Ihr ging es selbst schon recht schlecht, sie war müde und schlapp und verbrachte ihre Tage wohl so gut wie nur noch auf der Couch. Und meinte zu mir: Du Arme, dass es dir so schlecht geht. Du tust mir so leid. Ich meinte nur zu ihr, he, dir geht es doch auch nicht gut, wie kannst Du mich da so bedauern? Antwortete sie mir: Aber ich kann essen. Ich meinte nur trocken zurück, sie solle doch bitte nicht so angeben 🙂 Und wir lachten. Und fingen dann wieder das Husten an und verabschiedeten uns.

Mama, ich vermisse Dich.

Seit ihrem Tod bekomme ich doch tatsächlich öfters leichte Panikanfälle. Schließlich ging es meiner Mutter nach ihrer Krebsbehandlung eine ganze Zeit lang ziemlich gut. Und dann so ein Rückfall. Ich muss mich wohl damit abfinden, dass mich der Gedanke an einen und auch die Angst vor einem Rückfall nun ständig begleiten wird. Sie hatte zwar einen anderen Krebs, aber dennoch wird mich wohl die ganze Geschichte den Rest meines Lebens begleiten.

Veröffentlicht von

Anabell

45 Jahre, weiblich, Krebsart: Pharynxkarzinom, genauer: Oropharynx (T3). Und mehr über mich hier im Blog. Oder hier: Wer ich bin.

2 Gedanken zu „Meine Mutter an Krebs gestorben“

  1. Liebe Anabell, das tut mir leid, dass es deine Mutti nicht geschafft hat. Für sie war wahrscheinlich das Schlimmste, dass du – ihr Kind – auch krank war. Sie hätte es dir sicher ersparen wollen. ich habe mal gesagt: „lieber ich, als mein Kind“ Ich würde gerne alles auf mich nehmen, wenn es meinem Sohn dadurch erspart bliebe. aber dieses Arschloch von Krebs ist ja unberechenbar. LG Petra

    1. Hallo Petra, ja, ich hab es meiner Mutter aber erst gesagt, als ich die Bestrahlung schon hinter mir hatte und wieder einigermaßen gute Laune, ich glaub, sie war beruhigt, dass es mir doch recht gut ging. Und da ich halbwegs wusste, was sie durchgemacht hatte und umgekehrt, haben wir uns wenigstens gegenseitig stützen können, wenn auch zu kurz. Sie fehlt, aber wenigstens hat sie nicht mehr lange leiden müssen. Grüße, Anabell

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