Langsam herantasten ans Essen

Heute habe ich für meinen Mann Frikadellen zum Abendessen gemacht. Mit Nudelsalat. Ich habe ja lange hin und her überlegt wegen der Zwiebeln für die Frikadellen. Selbst Zwiebel schneiden geht seit meiner Krebserkrankung so gar nicht. Es ist nämlich voll ätzend, den Mund dann voller bittern Zwiebelgeschmack zu haben, nur weil man mit den Händen arbeitet. Und der Zwiebelgeschmack im Mund geht auch ewig nicht weg. Wenn ich rote Zwiebeln grob würfele für den überbackenen Schafskäse aus dem Ofen, dann nehme ich immer kleine Plastikbeutel. Von denen habe ich noch ca. 2.000 Stück, die müssen eh mal weg. Nur sind die Beutel so klein, dass man damit gerade einmal die Zwiebel festhalten kann, richtig fein würfeln, wie für Frikadellen nötig, ist nicht.

Aber die Tiefkühltruhe war mein Freund. Früher gab es ja Zwiebeln noch aus der Tube, heute gibt es die aber gewürfelt in der Tiefkühlabteilung. Ich persönlich würde sie zwar noch ein wenig feiner würfeln für Frikadellen, aber so war das auch ok. Frikadellen formen mit den Händen ging dann auch ohne Tüte.

Und dann habe ich es gewagt. Mit einem Glas Wasser als Geheimwaffe habe ich mich dran gemacht und eine kleine (sehr kleine) Frikadelle verspeist. Für diese habe ich ca. 18 Minuten gebraucht, aber ich habe es geschafft. Das anstrengendste ist das komplett runter schlucken, ab und an bleibt Essen auch wie ein kleiner Kloß im Hals stecken. Aber ich hab es geschafft und noch nicht einmal das ganze Glas Wasser gebraucht. Danach habe ich unserem Hund eine Frikadelle in der gleichen Größe gegeben, der hat gerade einmal 1,8 Sekunden zum in den Magen inhalieren gebraucht.

Achja, abschmecken konnte ich die Frikadellen natürlich nicht. Daher habe ich vor dem Formen zwei gebraten und zum Probessen dem sowieso Empfänger dieser Speisen gegeben. Lag schon nahe dran, noch ein wenig Paprika und Salz und es war ok.

Wobei es nicht so ist, dass ich gar nichts mehr schmecke. So ein Prozent meines Geschmackssinn ist wohl wieder da. Es hat auf jeden Fall anders geschmeckt als vor vier Wochen kurz nach der Bestrahlung als sogar Wasser gruslig war. Und die Frikadelle hat anders geschmeckt als das halbe Croissant die Tage. Anders schmecken heißt zwar nicht gut schmecken. Aber schlecht hat die Frikadelle nun auch nicht geschmeckt.

Sollte es wirklich voran gehen???

Veröffentlicht von

Anabell

45 Jahre, weiblich, Krebsart: Pharynxkarzinom, genauer: Oropharynx (T3). Und mehr über mich hier im Blog. Oder hier: Wer ich bin.

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