David Bowie ist tot

Ja, eigentlich gehört das ja gar nicht in diesen Blog, in dieses Krebstagebuch. Aber im Moment machen mich Todesnachrichten allesamt etwas nervös. Wenn es dann noch einen Star oder eine Berühmtheit erwischt hat, die ich selbst kannte, die ich vielleicht selbst irgendwann einmal bewundert habe, dann ist das noch mal mehr etwas Besonderes. Und wenn David Bowie im Alter von 69 Jahren an Krebs stirbt, dann muss ich schon schlucken.

Morbider Weise versuche ich bei solchen Meldungen nun immer raus zubekommen, was für eine Krebsart derjenige oder diejenige hatte. Als wenn es etwas bedeuten würde, dass in den letzten Wochen noch keine Berühmtheit an einen Rachenhinterwandtumor gestorben ist. Zum einen nutzen Statistiken mir persönlich gar nichts. Ob ich oder ob ich nicht dem Tod noch mal von der Schippe springe, das hat wenig damit zu tun, wie im allgemeinen die Fünfjahreswahrscheinlichkeit für meine Krebsart ist. Und zum anderen ist Oropharynx eh eine etwas seltenere Krebsart.

Im übrigen starb David Bowie an Leberkrebs, der vor ca. 18 Monaten bei ihm zum ersten Mal festgestellt worden war. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate für Leberkrebs beträgt laut dem Zentrum für Krebsregisterdaten 15 Prozent. Obwohl Leberkrebs recht selten ist (6020 Neuerkrankungen Männer, 2560 Neuerkrankungen Frauen pro Jahr) gehört er aufgrund seiner schlechten Prognose zu den zehn häufigsten Krebstodesursachen. Nur bei Bauchspeichelkrebs ist die Prognose wohl noch schlechter. Krebsdaten Leberkrebs.

Zum Vergleich: relative 5-Jahres-überlebensrate für Krebs allgemein liegt bei Männern bei 62 Prozent, bei Frauen bei 67 Prozent. Bei Brustkrebs liegt sie bei Frauen bei sogar 88 Prozent. Bei meinem Oropharynxkarzinom besteht die Überlebensrate wohl abhängig vom Stadium, in dem man sich befindet, bei 90 Prozent bis zu unter 35 Prozent. Ich werde wohl bei Gelegenheit mal versuchen einen Arzt mit Einblick in meine vollständige Krankenakte zu fragen, ob ich auch in ein Stadium eingeteilt worden bin. Wobei ich auf Stadium II tippe. Denn beim ersten Gespräch mit dem Arzt bei der Strahlentherapie meinte der etwas von 75 Prozent ohne Bestrahlung und Chemotherapie und mit Bestrahlung und Chemotherapie bei 90 Prozent. Oder ich bin Stadium I und die 90 Prozent bezieht sich auf die Überlebenswahrscheinlichkeit, wenn man das volle Programm nutzt?

Das ist etwas was wirklich zum Mäusemelken ist. Die Infos von den Ärzten. Ohne Arztbrief für meine HNO-Ärztin wüsste ich wohl bis heute noch nicht einmal, was für einen Tumor ich ganz genau habe.

Aber ich schweife ab. David Bowie ist tot. Was mich zur Frage zurückführt: Ob ich wohl 69 Jahre alt werde? Im April sollte ich 46 werden. Das werde ich wohl ziemlich sicher erleben, aber wie sieht es mit 50, 60 oder gar 70 aus? Grübel. Neulich hatte ich eine kleine Heulattacke, als ich überlegt habe, dass das mein letzter Hund sein wird. Und ich wollte doch irgendwann unbedingt noch einmal einen flauschigen süßen Welpen haben. Aber kann ich das verantworten?

Veröffentlicht von

Anabell

45 Jahre, weiblich, Krebsart: Pharynxkarzinom, genauer: Oropharynx (T3). Und mehr über mich hier im Blog. Oder hier: Wer ich bin.

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