Versuch Essen und Trinken mit Sprechkanüle – ohne vollständige Blockung

Die Tage schrieb ich ja, dass ich mich nun immer entscheiden müsste: Sprechen oder Essen/Trinken. Denn ich aber für meine Kanüle zwei verschiedene Seelen. Eine geschlossene und eine offene. Mit der offenen Seele gelangt durch die Kanüle Luft an die Stimmbänder und ich kann sprechen. Die geschlossene Kanüle sei, so schärfte mir man im Krankenhaus ein, zum essen und trinken. Denn nur mit der sei die Trachealkanüle vollständig geblockt, es bestände keine Gefahr irgendwas einzuatmen, was gefährlich sein könnte.

Leider ist das Essen mit einer totalen Blockung sehr anstrengend. Flüssigkeiten verirren sich besonders gerne in die Luftröhre und treten dann rund um den Kanüleneingang auch gerne mal aus, was zu unappetitlichen Austritten führt. Besonders lustig kommt da Schokolade, aber auch Brühe wirkt dabei sehr unnett. Feste Nahrung verirrt sich auch manchmal dahin, kann aber dann abgehustet werden. Ist aber sehr anstrengend. Viel essen kann ich so nicht.

Ich mach aber tapfer meine Sprachübungen in der Hoffnung, dass es für das Schlucken was bringt. Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich mit Sprechkanüle eigentlich sehr viel Schlucken muss, die Spucke aber inzwischen wohl richtig in der Speiseröhre landet und nicht wie zu Anfangs eben dort wo die Luftröhre ist. Und da mir nur wenig so sehr die Laune verdirbt wie nicht richtig essen können, habe ich es nun gewagt und esse nun mit der roten Sprechkanüle. Und es klappt. Zumindest zu 95 Prozent. Ok, der eine oder andere Hustenanfall ist auch dabei (seit dem ich nicht mehr Rauche huste ich mir noch einen Muskelkater an), aber es klappt.

Ganz am Anfang ist es mir ja zwei Mal passiert, dass ich mit der roten Sprechkanüle getrunken habe. War lustig, das Wasser hat direkt den Weg in Richtung Trachealkanüle genommen und ich hab mich ziemlich erschrocken, als es wie ein kleiner Wasserfall dort rauskam (ok, das war jetzt etwas übertrieben, schließlich nehme ich heute noch nur kleine Schlucke). Selbst Wasser – und dabei zählen klare Flüssigkeiten zu den schwierig zu schluckenden Dingen, die man konsumieren kann – landet also nun korrekt.

Es ist echt gut, endlich wieder halbwegs vernünftig trinken und essen. Ok. Nächste Woche beginnt die Bestrahlung und ich gehe schon davon aus, dass meine Mundschleimhaut nach ein paar Tagen sich melden wird und es dann wieder schwieriger wird mit dem richtigen Essen und Trinken. Aber wenigstens habe ich ein paar Tage, in denen ich halbwegs vernünftig essen kann. Zwar keine riesigen Portionen, aber immerhin.

Heute Abend gibt es zum Beispiel endlich Fondue. Fleischfondue in Fett. Und da ich ja nur kleine Portionen essen kann sparen wir auch noch richtig Geld, denn die Preise für Rinderfilet in Deutschland sind nun mal happig. Also hat das ganze mit der Operation etc. auch noch ein klein wenig was Gutes 🙂

Was nicht klappt ist schlafen mit der Sprechkanüle. Heute Mittag haben wir Mittagsschlaf gemacht und da wollte ich es testen bzw. habe ich gestestet. Aber ich bekomme dann einfach nicht genug Luft. Vielleicht ist es auch nur Einbildung und vielleicht hätte es gereicht, wenn ich die Kappe abgemacht hätte von der Trachealkanüle, aber ich hab dann doch lieber auf die weiße Seele gewechselt. Das war mir eigentlich auch lieber. Ich meine tagsüber die ganze Zeit mit offener Kanüle rumlaufen ist eine Sache. Damit Essen auch. Aber im Schlaf? Besser nicht.

Sollte man das Nachmachen?

Also ganz ehrlich, das muss jeder für sich selbst entscheiden mit dem Nachmachen. Man sollte aber dabei auch seinem eigenem Gesundheitszustand gegenüber realistisch sein. Da ich die Trachealkanüle ja selbst trage und ich mich ja auch ganz gut kenne und ich mit 45 Jahren auch noch sehr fit bin und ich außerdem sehr gut im Husten bin, bin ich für mich das Risiko eingegangen. Ich bin mir ziemlich sicher, wenn etwas die falsche Abbiegung nimmt, dann huste ich das auch raus. Gerne hätte ich ja mit einem Arzt besprochen, ob das ok ist oder nicht, aber irgendwie fühlt sich ja kein Arzt dafür zuständig, mir das zu erklären. Ich hätte auch gerne die Hilfe eines Logopäden in Anspruch genommen, aber auch den wollte mir ja niemand verschreiben. Hier übrigens ein paar Infos zum Schlucktraining mit geblockter Trachealkanüle.

Hausarzt lässt mich im Regen stehen – wo bekomme ich nun meine Schmerzmittel her?

Auf meinen Hausarzt bin ich richtig sauer. Ich habe ja derzeit zwei Schmerzmittel. Einmal Pflaster gegen die Schmerzen, ein Opiat. Jedes Pflaster hält drei Tage, gestern habe ich neu geklebt, zwei habe ich noch. Das heißt, selbst wenn ich mich mit einem verklebe (das ist mir beim ersten Pflaster prompt passiert), ich habe noch eins in Reserve. Dann habe ich noch Tropfen. Ich hab das schon gestestet. Wenn ich zu wenige nehme oder eine Ration zu spät, dann bekomme ich Fiebergefühl. Tsja. Bei den Tropfen habe ich lange überlegt, ob die bis Montag reichen. Zumal ich Montag ja auch nach Hamburg rein muss, wegen der Bestrahlung. Und wenn ich dann erst nachmittags beim Hausarzt bin, könnte es sein, dass die Apotheke die Schmerztropfen erst am Dienstag da hat.

Also wollte ich Mittwoch beim Hausarzt vorbei. Laut Webseite soll man anrufen, wenn man nur ein Rezept braucht und das auf den Anrufbeantworter sprechen. Das habe ich um 11.20 Uhr getan. Name, Geburtsdatum und was ich will. Dann habe ich kurz überlegt, ob ich lieber noch mal anrufe, schließlich nuschele ich ja derzeit etwas wegen der Kanüle. Dann dachte ich mir, neeee, wenn sie nichts verstanden haben, muss ich halt etwas warten am Nachmittag.

Am Nachmittag komme ich beim Hausarzt an, alles dunkel. Nichts offen. Wozu haben die den einen Anrufbeantworter???? Da hätte man ja wohl mal die Ansage ändern können, dass am Nachmittag zu ist.

Hoffnungsvoll wie ich war bin ich aber davon ausgegangen, dass ich das Rezept dann am Donnerstag, also am heutigen Silvester-Tag abholen könnte. Schließlich hatte der Anrufbeantworter von der Gemeinschaftspraxis nichts von Urlaub gesagt. Und dann wäre ich mit dem Rezept sofort zu meiner Apotheke und die hätten mir die Tropfen bis Samstag bestellen können. Bis Samstag sollte das was ich habe locker ausreichen.

Tsja, was soll ich sagen. Heute morgen, 8 Uhr, rufe ich bei der Gemeinschaftspraxis in Reinbek an und da hatte man doch plötzlich einen neuen Text: Mittwoch Nachmittag wegen Quartalsabrechnung geschlossen (danke, hatte ich auch gemerkt) und Donnerstag Vormittag auch zu. Ja, hallo???? Das hätte man ja auf die Webseite schreiben oder auf den Anrufbeantworter sprechen können. Tsja, jetzt müssen die Tropfen wohl reichen. Denn selbst wenn ich im Krankenhaus ein Rezept dafür bekommen würde, könnte ich das Rezept ja dann erst bei der Apotheke einreichen und wahrscheinlich müssten die bestellen. Heute zur Apotheke zu gehen mit der Bitte schon mal zu bestellen, ich hätte dann irgendwann das Rezept war mir nämlich auch zu albern.

Aber der Hausarzt ist ja wohl nicht ganz dicht. Es ist ja nicht nur ein Arzt in der Praxis, sondern mehrere und sicherlich sind die nicht am Mittwoch um 12.05 Uhr auf die Idee gekommen, man könnte ja mal zu machen und lässt Patienten im Regen stehen. Das müssen die doch vorher schon gewusst haben. Da wäre doch mal ein Hinweis nett gewesen.

Vielleicht suche ich mir nächstes Jahr doch einen anderen Hausarzt. Die Ärztin dort war zwar sehr sehr nett. Aber immer sehr hektisch und unter Zeitnot. Und natürlich kann die nichts für ein solch schlechtes Praxismanagement, aber ich hätte doch lieber eine Praxis, auf die ich mich verlassen kann. Und in Reinbek gibt es ja auch mehr als nur einen Hausarzt.

2016 kann nur besser werden – Feliz año nuevo 2016

Wir hier haben Silvester, also dem Ende des für uns grusligen Jahres 2015, ganz besonders entgegen gefiebert. Sicherlich gibt es Menschen, die das abgelaufene Jahr 2015 als ganz besonders freudig in Erinnerung behalten werden, wir gehören aber nicht dazu. Das wir aus verschiedenen Gründen im April aus Spanien nach Deutschland zurück gekehrt sind, ist zwar fröstelig (zumindest derzeit), aber nicht wirklich schlimm. Allerdings war der Deutschland-Aufenthalt nur für ein bis zwei Jahre geplant und jetzt steht das wegen mir auf der Kippe. Schließlich hat man nicht einfach Krebs und geht nach Operation, Bestrahlung und Chemo zur Tagesordnung über. Nein, mir wurde schon erklärt, dass ich danach ständig zur Turmorsprechstunde muss. Und die sei anfangs halt alle drei Wochen. Und vor jeder Tumorsprechstunde werde ich wohl ziemlich nervös sein, schließlich geht es dabei darum, ob der Krebs weiterhin weg ist oder sich womöglich ein neuer Tumor gebildet hat. Denn auch wenn ich alles brav mitmache, eine Erfolgsgarantie gibt es eben auch bei einem Rachenhinterwandkrebs nicht.

Naja. 2015 war, nicht nur wegen meiner Krebserkrankung, gruslig und wenig nett. 2016 kann eigentlich nur besser werden. Ok, außer man erklärt mir irgendwann im Laufe des Jahres, dass der Tumor zurück wäre. Dann dürfte 2016 das neue schlimmste Jahr werden. Aber bislang hat 2015 diesen Titel inne.

Aber ich bin ja ein positiv gesinnter Mensch. Noch wenige Stunden und das Jahr ist überstanden und es heißt, herzlich willkommen 2016. Feliz año nuevo 2016.

Mal wieder Ohrenschmerzen – Panik vor Krebs Rückkehr

Tsja, es ist zwischen den Jahren und ich habe mal wieder rechts Ohrenschmerzen. Und damit leichte bis mittelstarke Panik, dass da wieder ein Tumor im Hals entsteht bzw. entstanden ist. Ich also wieder ein böses Krebsgeschwulst habe. Am Montag geht es zum ersten Mal zur Bestrahlung, ob ich da einen Arzt zu Gesicht bekomme, denn ich fragen kann und der nachvollziehen kann, weswegen ich bei Ohrenschmerzen Panik bekomme? Ich glaub es nicht wirklich.

Morgen brauche ich unbedingt auch Nachschub von meinen Schmerztropfen. Alleine, dass ich Schmerztropfen habe und ein Schmerzpflaster auf dem Rücken lässt mich bei Ohrenschmerzen noch panischer werden. Wie stark wären die Schmerzen denn bitteschön, wenn ich nicht unter Dauermedikamentation stehen würde???

Vielleicht reagiere ich auch nur über. Im Moment geht es mir auch nicht ganz so gut. Weihnachten war schon doof mit nicht gescheit essen können und jetzt steht auch noch Silvester an. Ich habe gestern Abend einen kleinen Testlauf gemacht mit Essen, aber so richtig kauen bzw. schlucken konnte ich wieder nicht. Im Moment ist mir irgendwie nach „Ab ins Bett. Decke über den Kopf. Heulen.“ Zum Glück haben wir einen Hund, da der raus muss, ist deprimiert heulend rumliegend keine Option.

Zu Zeit hat mein Mann Nachtschicht. Von meinen Ohrenschmerzen erzähle ich ihm besser nichts. Das mir gerade mehr zu heulen zu Mute ist wohl besser auch erst, wenn er wieder vernünftig arbeitet.

Heute Abend werde ich mal meine beiden Heftchen raus suchen, die sich mit Schlucktraining beschäftigen. Denn falls der Krebs wieder kommt, ich habe nicht vor abzutreten ohne vorher nicht noch mal wenigstens was wirklich leckeres gegessen zu haben. Nein, mit Karottenpüree im Magen will ich nicht abtreten als letzte Mahlzeit. Auch nicht mit einem anderen Gemüsemus. Mindestens ein frisches leckeres Brot vom Bäcker mit herrlicher Kruste und guter Butter muss es dann schon sein. Grmpf.

Reden oder Essen … Immer diese Entscheidungen

Neulich habe ich von einer Studie gelesen, in der man zu dem Schluss kam, dass ein Grund für immer mehr übergewichtige Menschen in unserer Gesellschaft das ständige Essen ist. Statt wie früher drei oder vier Mahlzeiten am Tag zu haben und dazwischen keinerlei Kalorien aufzunehmen kann man heute immer und überall essen. Ist auch klar. Man geht von A nach B und kommt an einer Bäckerei vorbei und wenn man ein wenig Hunger hat, kann man direkt seine Bedürfnisse befriedigen. Und auch zu Hause ist der Kühlschrank ja in Reichweite. Und ich kenne das ja auch von mir bzw. kannte: Ich habe mir eigentlich ständig Kalorien zugeführt. Vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen. Und wenn es nichts zu essen war, dann war es eben etwas zu trinken.

Seit meiner Tracheotomie muss ich mich nun aber entscheiden: Essen und Trinken ODER Sprechen können. Sich mitteilen können oder Kalorien zuführen. Wobei auch Durst mit Wasser löschen Sprechen ausschließt, zumindest wenn ich das Wasser trinken möchte.

Am 1. Weihnachtsfeiertag waren wir Familie besuchen. Tsja, da ich dort natürlich sprechen wollte, konnte ich sämtliche Angebote an Essen und Trinken ausschlagen. schade eigentlich, da gibt es meist richtig leckeren Kuchen. Aber ganz ehrlich, so lange ich nach einem Seelen-Wechsel so heftig husten muss und auch beim Essen und Trinken selbst dermaßen von Hustenanfällen geplagt werde, möchte ich so oder so nicht öffentlich essen. Ist mir manchmal schon peinlich genug, dass mein Mann das mitbekommt. Aber er versucht immerhin so höflich zu sein und behält den Fernseher im Blick statt zu gucken, wie ich huste.

Und am 2. Weihnachtsfeiertag waren wir im neuen Star Wars Film. Ich habe vorher etwas gegessen, bin aber dann mit Sprech-Seele ins Kino gegangen. Also nichts zu trinken und nichts zu essen im Kino. Am Ende hatte ich einen ziemlichen Kohldampf …. aber nach dem Kino ging es erst noch mit dem Hund in den Wald und erst dann gab es auch für mich Happa Happa. Normalerweise hätte ich mir früher ein Hanuta oder so eingeworfen. Aber diese Zeiten sind ja erst einmal vorbei.

Ach, die Seele aus dem Leib husten hat ja eine ganz neue nette Bedeutung für mich. Die Innenteile von den Kanülen werden ja Seele genannt. Und jedesmal wenn ich die Seele wechsele, muss ich husten …

Wo stehe ich? Gesichtslähmung, Schmerzen, Sprechen etc.

Heilig Abend. Zeit mal ein kleines Resümee zu ziehen. Schließlich ist die erste Operation auch ein guten Monat her. Ich bin damit auch ein guten Monat Nichtraucherin. Und immer noch nicht groß in Versuchung geraten, auch nicht hier zu Hause. In den ersten Tagen war es zwar ein wenig komisch, so am Computer und so ohne Zigarette, aber das waren nur ganz kurze Momente.

Ansonsten geht es mir aber gut. Ich bekomme allerdings immer noch Schmerzmittel. Zum einen mein Fentanyl TAD 72 Stunden Pflaster und zum anderen meine Novaminsulfon Ttropfen. Ich hatte ja versucht wenigstens die ein wenig von 4×30 Tropfen pro Tag runter zudosieren, habe aber festgestellt, dass ich dann ein fiebriges Gefühl bekomme, wenn ich zu wenig davon nehme. Da das kein schönes Gefühl ist, habe ich jetzt nur ein ganz klein wenig reduziert und bin bei 4×25 Tropfen.

Die Komplikationen von der Entfernung der Lymphknoten sind wohl dauerhafter. So habe ich immer noch keine echte Kontrolle über die linke Seite meiner Lippen und grinse immer noch ziemlich schief. Außerdem kribbeln meine Ohrläppchen wenn ich sie anfasse und von dort bis zum Hals fühlt sich die Haut komisch an. Und der Hals ist immer noch etwas geschwollen und die Haut dort fühlt sich wattig an. So als wenn sie nicht zu mir gehört. Immerhin werden die beiden Narben wohl nicht ganz so gruslig wie zunächst befüchtet.

Der Luftröhrenschnitt macht etwas Ärger. In den ersten zwei Wochen kam ja fast jeden Tag jemand vom Pflegedienst und ich bekomme das auch alleine gut hin. aber irgendwie blutet es immer mal wieder, offenbar von der Wunde vom schnitt selbst. Es hört zwar immer sehr schnell auf, ist aber ein komisches Gefühl. Kanülenwechsel wird zwar nie mein liebstes Hobby werden, ich komme aber klar damit.

Ich rede seit vier Tagen auch wieder. Und zwar war letzte Woche mal wieder meine Betreuung von Atos Medical da. Die sind beide sehr nette (der eine wird eingearbeitet, daher sind sie zu Zweit). Den erklärte ich schriftlich, dass ich die Sprechkanüle nicht so gerne nehme, weil ich Probleme hätte, wegen dem Schleim. Das fanden die zwar ok, allerdings ließ der eine dann einen Nebensatz fallen, dass es halt schon wichtig wäre, da man ja nur über die Kanüle selbst ganz anders atmet, als wenn es eben durch Nase und Mund geht. Das nur durch die Kanüle halt weniger Kraft nötig wäre, da der Widerstand fehle und ich aufpassen solle, wenn ich länger eben nicht spreche, das das später Probleme geben könne.

Also hab ich mich dann ab den Tag gezwungen die rote Seele zum Sprechen zu tragen.

Zu Zeit sieht es so aus: Ich schlafe natürlich mit der weißen Seele und Sprachlos. Dann stehe ich auf. Dann werde ich langsam wach und nach so einer knappen halben Stunde wechsel ich die Kanüle (das lag vorallem daran, da der Pflegedienst eben zu der Zeit meist kam). Dann baue ich statt der weißen Seele gleich die rote Sprechseele ein und kann so auch bei der ersten Runde mit dem Hund sprechen. Die rote Kanüle lasse ich dann den ganzen Vormittag, also auch zum Einkaufen drin. Dann geht es um 13 Uhr noch einmal mit dem Hund raus und danach wechsele ich auf die weiße Kanüle, denn ich will auch was richtiges zu Mittag essen. Und das geht eben nur mit der geschlossenen Kanüle.

Danach lasse ich die gleich drin, denn meist lege ich mich dann auch noch eine halbe bis ganze Stunde hin. Oder ich will einfach auch mal meine Ruhe haben und was trinken ohne Nachzudenken. Den Nachmittag verbringe ich also Sprachlos. Spätestens aber so gegen 18.30 Uhr wechsele ich wieder auf Sprechen, denn dann steht wieder eine Runde Gassi gehen und Ball werfen mit unserem Hund an. Danach bleibt die Kanüle noch eine halbe Stunde drin, dann mach ich Abendessen und wechsel dann für den Rest des Abends und über Nacht auf Nichtsprechen, also weiße Seele. Ok, kurz bevor ich ins Bett gehe mache ich diese Kanüle für die Nacht noch mal gründlich sauber. Das empfiehlt sich auch, da ich ja mindestens eine Suppe zu Abend esse und auch ein wenig Schokolade nasche. Und vom Essen finden sich leider immer noch Spuren auf der Kanüle.

Und wie sieht es mit dem Essen so allgemein aus?
Ich haue mir täglich eine Flasche Sondenkost rein. Ein halber Liter mit 750 Kalorien. Den Rest versuche ich selbst zu essen. Merke ich Abends, das ich nicht genug gegessen habe, gibts noch etwas Sondenkost. Allerdings lasse ich die nicht mehr langsam und über den Ständer und den Schlauch und Schwerkraft einlaufen (für eine Flasche Sondenkost brauche ich über drei Stunden), sondern ich hau mir die meist nun per Spritze in die Magensonde. Das geht doch deutlich schneller. Ich versuch es auch so zu machen, dass ich mir ca. 240 ml Sondenkost noch vor dem ersten Gassi gehen so gebe. Und den Rest dann eben wenn wir wiederkommen.
Mittags trinke ich dann noch ein großes Glas frisch gepressten Karottensaft und eine Portion pürierte gekochte Karotten mit Ingwer. Allerdings schummele ich hierbei und esse beides über die Magensonde. Ab und an presse ich auch noch einen Apfel aus. Nächste Woche muss ich mal gucken, was es sonst noch gerade an frischem Obst und Gemüse gibt. Und zu Mittag esse ich ein bis zwei Scheiben Brot. Mit Butter und Marmelade oder auch mit Tartar oder Salami. Klappt gut, ich muss halt viel bei Trinken. Aber ich merke direkt schon Fortschritte beim Schlucken.

Abends gibt es dann entweder richtiges Essen oder eine Cremesuppe (Brokkoli steht bei mir hoch im Kurs). Ich mach es derzeit so: Ein Tag was richtiges und dann zwei Tage zur Erholung nur Suppe. An richtigem Essen hatte ich bislang einmal Testweise Rinderfilet (ich habe immerhin gut 100 Gramm geschafft) und Hamburger (ich habe fast einen ganzen inklusive Brötchen geschafft, allerdings nur mit Ketchup und ohne Gurken oder gar Zwiebeln). Kartoffeln mit Quark bzw. Butter gingen auch. Nudeln werde ich zukünftig die Finger von lassen.

Nachtrag: Rotkohl zur Weihnachtsgans war eine ganz dumme Idee. Dafür gingen die Wiener Würstchen ziemlich gut zu schlucken 🙂

Kein Schnarchen mehr dank Tracheotomie

Wir gehören hier im Haus ja alle drei zur Gruppe der Schnarcher. Auch ich kann nachts wohl ausgiebig und laut ganze Wälder abholzen. In Spanien war das bestimmt lustig, da haben wir in einem Reihenhaus gewohnt. Das Schlafzimmer war im ersten Stock, bis zur Straße waren es vielleicht sechs oder sieben Meter Luftlinie. Wenn wir beide Menschen dann zusammen mit unserem Labrador, der ja auch sehr laut schnarchen kann, in diesem Schlafzimmer gelegen und geschlafen haben, muss das draußen ein nettes Säge-Konzert gewesen sein.

Mein eigenes Schnarchen stört mich nicht. Das Schnarchen unseres Hundes sowieso nicht und wenn mein Mann nicht gerade auf dem Rücken liegt, ist auch sein Schnarchen durchaus aushaltbar.

Im Moment beschwert sich dieser Mann allerdings darüber, dass ich nicht schnarche. Dank meiner Tracheotomie und der Kanüle im Hals, die ja geblockt ist, ist ja auf Höhe Hals Schluss mit Luft. Die Stellen, die für die Schnarchgeräusche zuständig sind, passiert die eingeatmete Luft demnach nicht. Also bin ich wohl nachts jetzt so ruhig und still, dass mein Mann ab und an nachschaut, ob ich noch unter den Lebenden weile. Das kenne ich. Auch er hat manchmal nachts so schnarchfreie Minuten, ich glaube, ich werde von diesen sogar wach. Auch ich bin dann immer total irritiert und gucke nach, ob er noch atmet.

Jaja, eine Trachealkanüle mit Schnarchfunktion zur Beruhigung des Bettpartners, das wäre ja mal eine Erfindung. Zusätzlich zum Duschaufsatz wäre das doch mal ein nettes Feature 🙂

Wobei mich die Meldung meines Mannes auch sehr beruhigt: Das heißt nämlich, dass ich nachts doch recht gut durchschlafe und vor allem nicht huste. Denn das würde er trotz Trachealkanüle sicherlich hören.

Ingwer und Karotten bei Krebs

Wenn Mensch Krebs hat, dann erhält er aus der Umgebung sehr viele Ernährungstipps. Und auch wenn die Umgebung sich mal zurückhält, hat man selbst das Gefühl auch im Internet dauernd mit der Nase auf mögliche Lebensmittel gestoßen zu werden, die gut bei / gegen Krebs sein sollen. Und ständig werden einem Wunderdinge erzählt.

Ingwer soll helfen

Wir haben einen Bekannten. Der raucht auch und bekommt im Moment wohl leichte Panikanfälle, wenn er ein leichtes Kratzen im Hals verspürt. Er hat wohl Angst so zu enden wie ich und befürchtet nun ständig selbst einen Halstumor. Statt nun mit dem Rauchen aufzuhören, hat er sich für eine Wunderpille entschieden. Er schluckt nun regelmäßig Ingwerpastillen. Und schwört drauf. Immerhin gibt es wohl das eine oder andere Wehwehchen bei ihm, das seit dem er Ingwer schluckt weg ist. Er hatte u.a. wohl Probleme mit den Gelenken.

Ok, ich glaub ihm das. Und natürlich habe ich dann neugierig im Internet gesucht und da gibt es dann ja richtige Wunderdinge, die über Ingwer und Krebstherapie geschrieben werden. Daher habe ich uns jetzt auch eine Knolle Ingwer gekauft und werde jetzt wohl mal jeden Tag eine Tasse Ingwertee zubereiten. Heute habe ich damit angefangen. Das war recht lustig. Ich habe den Tee gemacht und als er etwas abgekühlt war zuerst meinem Mann zum probieren gegeben. Er fand ihn nicht sooooo schlimm, nur zu wenig Zucker (ich hatte eine Löffelspitze Honig dran). Ich hab den Ingwertee dann noch etwas abkühlen lassen und deswegen noch einmal eine Viertelstunde gewartet. Bei mir war der Ingwertee dann ziemlich scharf. Also irgendwie nicht so wirklich mein Fall.

Da ich das mit dem Ingwer aber versuchen möchte, habe ich mir nach einigen Löffeln Tee den Rest eben in die PEG gespritzt 🙂 Ich werde das einfach mal ein paar Tage versuchen. Zuerst ein paar Löffel richtig schlucken und wenn es zu scharf oder zu anstrengend wird, gibts das Zeug halt mit der Spritze.

Karottensaft

Auch Karottensaft soll wahre Wunderdinge bewirken im Kampf gegen Krebs. Allerdings muss man dann wohl zwei Liter frisch gepressten Karottensaft pro Tag wegtrinken. Das schaffe ich glaube ich noch nicht mal mit PEG, könnte aber auch daran liegen, dass unsere Saftpresse ziemlich unbequem ist und ich alleine zum Pressen von den zwei Litern einige Zeit in der Küche beschäftigt wäre. Daher versuch ich jetzt erst einmal regelmäßig ein Glas Karottensaft zu trinken und werde, wenn ich das gut schaffe, dann über eine neue Saftpresse nachdenken. Wobei ich nach ein paar Schlucken Karottensaft auch nicht wirklich Lust habe, noch mehr zu trinken. Aber auch hier hilft die PEG ganz wunderbar weiter.

Jetzt bin ich noch am überlegen, ob ich nicht in den Karottensaft ein wenig Ingwer reiben sollte. Und ich suche gerade ein Rezept, ich hatte mal eins für Karottensuppe abgeschmeckt mit Ingwer. Ansonsten kam noch Schnittlauch dran, an viel mehr kann ich mich leider nicht erinnern. Aber es wird schon wieder auftauchen.

Ich laub übrigens nicht, dass der Karottensaft oder der Ingwer Wunder bewirken werden. Aber Ingwer soll ja an sich schon anregend wirken und wenn ich etwas fitter in die Bestrahlung Anfang Januar gehe, dann ist das ebenso wenig ein Fehler, wie wenn ich dann mit Karottensaft gut gedopt bin. Mal gucken, es gibt ja noch andere Gemüse, die man auspressen kann. Ich werde demnächst auch mal rote Beete testen.

Kleiner Erfolg beim Schlafen

Immerhin, es gibt nach etwa einen Monat nach der ersten Operation einen kleinen Erfolg beim Schlafen. Ich gehöre ja zu den Menschen, die am liebsten auf der Seite schlafen. Rechts- oder Linksraum ist fast egal, ich wechsel das auch mehrfach in der Nacht. Schon im Krankenhaus habe ich es irgendwann geschafft, zumindest auf der rechten Seite schlafen zu können. Nur linke Seite ging nicht. Aber seit zwei oder drei Nächten geht das nun auch endlich wieder. Was gut ist, denn ich hab schon gemerkt, dass immer auf der rechten Seite schlafen irgendwie nicht gut ist und zu Verspannungen und leichtem Druckschmerz rechts geführt hat.

Auf dem Rücken schlafen mag ich ja so gar nicht. Ich liege vor dem Einschlafen gerne mal ein paar Minuten auf dem Rücken, aber wenn ichzu lange so liege, dann tun mir die Knie weh. Aber jetzt hab ich ja wieder zwei Seiten.

Im Krankenhaus war das ziemlich anstrengend. Am Anfang durfte ich nur auf dem Rücken schlafen und das bitte mit Kopfteil von Bett bei mindestens 45 Grad. Ächtz. Dann durfte ich nach und nach immerhin das Kopfteil immer weiter runter machen und nach zwei Wochen habe ich dann versucht mich neu dran zu gewöhnen, auf der Seite zu schlafen. Das war drei Tage nachdem die PEG gelegt worden war.

Das war ganz schön ungewohnt mit der Kanüle im Hals auf der Seite zu schlafen. Was ich richtig gerne mache, Decke bis über den Kopf ziehen und möglichst vollständig einmummeln geht so ja im Moment gar nicht. Am Anfang hatte ich auch Angst, dass ich im Schlaf gegen die Kanüle komme oder mir die Decke davor packe und dann womöglich ersticke. Falls es damit aber mal Nachts Probleme gegeben haben sollte, dann hab ich das wohl im Schlaf auch geregelt bekommen 🙂

Sprechkanüle – Reden können ist wirklich einfacher

So, ich habe ja zwei Trachealkanülen für den Alltag mitbekommen. So richtig erklärt hat mir die ja niemand, aber ich habe mir heute mal die Anleitung rausgesucht und durchgelesen.

Meine Kanülen haben zwei kleine Innenteile, die werden Seele genannt. Ich habe also dank den Kanülen jetzt eine auswechselbare Seele. Eine rote Seele und eine weiße Seele 🙂

Die weiße Seele ist ein geschlossenes gebogenes Röhrchen und wird in die Trachealkanüle rein geschoben. Das hat den Vorteil, wenn irgendwas verstopft, kann die weiße Seele raus geholt und gesäubert werden und ich bekomme sehr wahrscheinlich sofort wieder Luft. Denn das verstopfte Teil ist ja raus. Die rote Seele ist auf der äußeren gebogenen Seite geöffnet. Das ist die Sprechkanüle. Wenn die drin ist, ist die Blockung der Trachealkanüle zwar noch da, aber praktisch umgangen, denn durch die Öffnung bekomme ich Luft in den oberen Bereich, also dorthin wo Mund und Nase ist. Verschließe ich dann die Öffnung der Trachealkanüle zum Beispiel mit einem Finger, dann kann ich sogar reden. Und man versteht mich auch. Klar, in dem Moment strömt die Luft ja an den Stimmbändern vorbei. Die rote Seele braucht es eigentlich gar nicht zum reden, reden kann ich auch wenn ich die Trachealkanüle pur trage, also ohne irgendeine Seele drin.

Zusätzlich waren noch zwei kleine Stopfen in der Packung. Einmal geschlossen, die ist zum Duschen. Und eine, die ist wohl auch geschlossen, sieht aber von vorne aus, wie ein Gitter und die dient als Hustenschutz. Vorhin, nach dem erfolgreichen Trachealkanülenwechsel, war ich auch mit roter Seele und Duschschutz erst Duschen und anschließend habe ich auf Hustenschutz gewechselt und war einkaufen und konnte dabei sogar reden. Denn der Hustenschutz verschließt die Trachealkanüle wohl auch vorne, so als wenn ich einen Finger drauflege. Das heißt ich kann reden, ohne mit den Fingern dran rumfummeln zu müssen. Was natürlich sehr praktisch ist, wenn man einkaufen ist und schon jede Menge dreckige Dinge angefasst hat.

Ok, ich werde jetzt versuchen mindestens zwei Mal am Tag ca. zwei Stunden in den Sprechmodus zu gehen. Am Besten in der Zeit, in der ich mit dem Hund gehe. Auf Zeichensprache reagiert unser Hund nicht so wirklich, bzw. er guckt zu selten her, um mitzubekommen, wenn ich was will. Und außerdem habe ich dann auch nicht sofort die kalte Luft in der Lunge, wenn ich durch den Mund atme. Ich werde das heute Mittag gleich mal testen.