Heute Krise

Heute war Krisentag angesagt. Am Morgen das Theater mit der Krankenkasse. Ich muss einen Fragebogen ausfüllen, da ich zu Anfang Dezember von der Arge abgemeldet worden bin. Öhm. Toll. Dann bin ich zur Bestrahlung gefahren und war schon um 13.35 Uhr da. Natürlich mit der leisen Hoffnung, dann nicht nur pünktlich dran zu kommen sondern vielleicht etwas früher.

Nix wars. Um 13.50 Uhr wurde ein anderer Mann aufgerufen, für eine der drei Umkleidekabinen, die zum Bestrahlungsgerät gehören, das auch für mich ist. Dann kam der, ohne das noch mal jemand aufgerufen worden wäre, um 14.05 Uhr wieder aus. Und erst um 14.15 Uhr wurde ich dann aufgerufen. Und saß dann mehrere Minuten auf der Wartebank. Drinnen ein älterer Herr, der wohl glücklich war, endlich mal jemanden zum reden gefunden zu haben. Ich war innerlich am toben. Und motzig sowieso. Dann lag ich auf der Liege und nach der Bestrahlung haben die die Maske nicht mehr abbekommen. Boh. Die Maske ist zum einen schwer, zum anderen liegt sie eng an und dann wird sie noch richtig fixiert. Ohne meine Trachealkanüle würde ich zudem keine Luft unter der Maske bekommen, denn es gibt nur zwei kleine Luftlöcher für die Nase. Und dann bekommen die die Maske nicht ab. Dann hatten sie mich endlich da raus und dann meint die eine noch, ja, das kommt, wenn Sie dagegen arbeiten und vielleicht dagegen drücken. Ich fragte ziemlich irritiert nach, ob ich jetzt schuld dran sei. Dann ging die Diskussion los, wegen dem Dienstag, denn ich hatte ja am Mittwochnachmittag erfahren, dass Dienstag die Chemotherapie ist, die fünf Stunden dauert und ich damit wohl kaum 13.45 Uhr zur Bestrahlung in St. Georg sein könnte. Ja, dann sollte ich doch um 8 Uhr zur Bestrahlung kommen. In dem Moment hat es mir gereicht. Ok, die gute Frau konnte ja nicht wissen, dass ich keinen Taxischein habe und wohl auch kaum bis Dienstag haben werde, dank meinem Krankenkassenproblem. Aber als ich sagte, dass da kaum geht mit 8 Uhr und ich außerdem irgendwann mit dem Hund raus müsste und schlecht um 5 Uhr aufstehen könnte und sie nur meinte, der Hund wäre ja wohl nicht wichtig, da ist mir innerlich der Kragen geplatzt. Ist ja nett, dass man immer hört, man sei jetzt selbst wichtig und man solle sich um sich kümmern. Aber es kann ja nicht sein, dass man deswegen alle Verpflichtungen in die Mülltonne tritt. Und unser Hund kann ja wohl nichts dafür, dass ich Krebs habe. Und dann kam sie mit, dann müsse mein Mann Urlaub nehmen. Wieder so ein toller Tipp. Irgendwann hat sie mir dann einen Termin für Freitag mit einen der Ärzte gemacht.

Naja. Der Donnerstag war nicht mein Tag. Um kurz vor 16 Uhr war ich dann erst zu Hause. Völlig fix und alle. Immerhin hat sich unser Hund gefreut, mich zu sehen.

Meine Ernährungsumstellung bisher – Gemüsesäfte sollen helfen

Bevor ich die Diagnose Krebs bekam, habe ich mit Mühe und Not ein bis zwei Portionen Obst oder Gemüse am Tag geschafft. Außerdem war ich Kettenraucherin und habe gerne einmal im Monat auch Alkohol konsumiert. Ernährt habe ich mich wirklich nicht gesund, außerdem habe ich über einen Liter Coca Cola am Tag getrunken. Dazu gerne Fleisch und Obst fast nie und Gemüse eher selten. Wenn es Obst gab, dann als fertigen Saft. Gemüse schaffte es immerhin als Brokkoli oder Karotte auf meinen Teller.

Damit ist ja nun Schluss. Zum einen habe ich vor 47 Tagen mit dem Rauchen aufgehört und mein letzter Schluck Alkohol ist nun auch zwei Monate her. Silvester habe ich mal versucht einen Schluck Coca Cola zu trinken, wäre auch gegangen, aber meinen Zähnen war das eindeutig zu kalt. Die sind derzeit ziemlich empfindlich.

Essen kann ich ja nur mit Mühe, daher hat man mir im Krankenhaus eine PEG verpasst und über die konsumiere ich nun jeden Tag ein bis zwei Flaschen a 0,5 Liter Sondennahrung hochkalorisch von HIPP (für eine sichere und vollbilanzierte Ernährung auf der Basis natürlicher Lebensmittel). Sehr praktisch, da ist nämlich eigentlich so gut wie alles drin, was man so braucht, auch an Vitamine und ähnlichem. Das heißt ich kann ansonsten wirklich essen, was mir Spaß macht und worauf ich Lust habe, vorausgesetzt ich kann es kauen und schlucken. So eine Flasche hat 750 ml und eigentlich über die Magensonde bzw. PEG gegeben (man könnte es natürlich auch trinken und dafür sogar nachwürzen). Das dauert mir aber zu lagen, ich haue mir das inzwischen mit der großen Spritze in die PEG. So brauche ich für den halben Liter nur ca. 10 Minuten statt 3,5 Stunden. Allerdings sollte man das mit der Spritze nur tun, wenn man es auch verträgt. Aber mein Magen kann das ab, schlecht ist mir noch nicht davon geworden. Achso, das das so lange dauert, liegt auch daran, dass bei mir die Sondennahrung nur per Schwerkraft zugeführt wird. Mit einer Ernährungspumpe würde das wohl um einiges schneller gehen.

Ansonsten versuche ich zwei Mal am Tag wenigstens eine Kleinigkeit zu essen. So was wie zwei Scheiben Brot mit Butter und Salz und/oder Salami zum Beispiel. Oder frisches Brot mit Tartar. An Silvester gab es sogar ein wenig Fondue für mich und auch Schokolade kann ich konsumieren (zum Glück). Und außerdem versuche ich mich an Gemüsesäften. Karottensaft vor allem, gerne mit ein wenig Sellerie, Apfel oder angereichert mit einem Orangensaft. Sogar rote Beete habe ich schon in den Entsafter geschmissen und sogar Fenchel (das hat sich allerdings nicht gelohnt, kam nicht gerade viel Saft raus). Zu den meisten Säften gibt es dann ein wenig Leinöl und natürlich Ingwer in Pulverform aus der Apotheke. Mittags mach ich mir meist auch einen Karottenbrei. Ich nehme dafür ein bis zwei Karotten und koche die mit Wasser und einem ca. 10 bis 15 Gramm großen Stück Ingwer ca. 15 Minuten weich. Dann etwas abkühlen lassen. Dann wird das ganze mit dem Zauberstab püriert und im Moment noch mit der Spritze durch die PEG gedrückt. Demnächst werde ich mal schauen, ob ich nicht so eine Karottensuppe hinbekomme, die ich richtig essen kann. Allerdings wird das dann mit den 10 bis 15 Gramm Ingwer etwas viel sein.

Mit dem ganzem Gemüse und Ingwer versuche ich natürlich meinen Körper fit zu machen im Kampf gegen böse Krebszellen und ich hoffe natürlich fit zu sein für die Strahlentherapie und die Chemotherapie. Ob es was nutzt? Naja, schaden wird es hoffentlich nichts und wenn die vielen Vitamine dafür sorgen, dass ich während der sieben Wochen nach Hamburg rein und wieder rausfahren von Erkältungen verschont bleibe, dann ist es ja schon einmal ein großer Erfolg.

Ich werde aber auf jeden Fall versuchen mit den Gemüsesäften auch über die sieben Wochen Behandlung weiter zu machen. Immerhin gewöhne ich mich so schon mal ans schnippeln, machen und wieder sauber machen des Entsafters. Später muss ich mich dann nur noch mit an den Geschmack gewöhnen. Und ich lerne so schon mal einige Gemüsesorten kennen und kann diese austesten, ohne den Druck, ob das, was ich da presse auch schmeckt 🙂

Mein Mann beteiligt sich ein wenig an der Umstellung. Er trinkt immerhin ein Glas (ca. 300 ml) Saft mit. Da er seinen Saft ja selbst trinken muss), gibt es für seinen auch eine Art Rezept: Einen drittel Löffel Ingwerpulver ins Glas geben und mit ca. 50 ml fertigen Orangensaft (ich nehme den von Hohes C milde Orange) auffüllen und verrühren. Dann etwa drei Karotten mit dem Sparschäler schälen. In der Zwischenzeit löst sich das Ingwerpulver im Orangensaft auf. Dann die Karotten durch die Gemüsepresse jagen, das Glas wird dabei fast voll. Zum Schluss noch mit einem Teelöffel Leinöl anreichern (schließlich ist Vitamin A fettlöslich) und nochmal durchrühren. Sofort servieren. Wird von meinem Mann in einem Zug geleert, den Schaum mag er nicht so, aber selbst den trinkt er meist mit.

Ich mach mir meist ein Glas genauso und ein Glas mit frisch gepresstem Apfelsaft statt dem Orangensaft. Und ein drittes Glas mit Selleriesaft und Karottensaft gemischt. Ingwerpulver nehme ich nur im ersten Glas und auch nur, wenn ich es nicht schaffe frischen Ingwer zu nutzen.

Reden oder Essen … Immer diese Entscheidungen

Neulich habe ich von einer Studie gelesen, in der man zu dem Schluss kam, dass ein Grund für immer mehr übergewichtige Menschen in unserer Gesellschaft das ständige Essen ist. Statt wie früher drei oder vier Mahlzeiten am Tag zu haben und dazwischen keinerlei Kalorien aufzunehmen kann man heute immer und überall essen. Ist auch klar. Man geht von A nach B und kommt an einer Bäckerei vorbei und wenn man ein wenig Hunger hat, kann man direkt seine Bedürfnisse befriedigen. Und auch zu Hause ist der Kühlschrank ja in Reichweite. Und ich kenne das ja auch von mir bzw. kannte: Ich habe mir eigentlich ständig Kalorien zugeführt. Vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen. Und wenn es nichts zu essen war, dann war es eben etwas zu trinken.

Seit meiner Tracheotomie muss ich mich nun aber entscheiden: Essen und Trinken ODER Sprechen können. Sich mitteilen können oder Kalorien zuführen. Wobei auch Durst mit Wasser löschen Sprechen ausschließt, zumindest wenn ich das Wasser trinken möchte.

Am 1. Weihnachtsfeiertag waren wir Familie besuchen. Tsja, da ich dort natürlich sprechen wollte, konnte ich sämtliche Angebote an Essen und Trinken ausschlagen. schade eigentlich, da gibt es meist richtig leckeren Kuchen. Aber ganz ehrlich, so lange ich nach einem Seelen-Wechsel so heftig husten muss und auch beim Essen und Trinken selbst dermaßen von Hustenanfällen geplagt werde, möchte ich so oder so nicht öffentlich essen. Ist mir manchmal schon peinlich genug, dass mein Mann das mitbekommt. Aber er versucht immerhin so höflich zu sein und behält den Fernseher im Blick statt zu gucken, wie ich huste.

Und am 2. Weihnachtsfeiertag waren wir im neuen Star Wars Film. Ich habe vorher etwas gegessen, bin aber dann mit Sprech-Seele ins Kino gegangen. Also nichts zu trinken und nichts zu essen im Kino. Am Ende hatte ich einen ziemlichen Kohldampf …. aber nach dem Kino ging es erst noch mit dem Hund in den Wald und erst dann gab es auch für mich Happa Happa. Normalerweise hätte ich mir früher ein Hanuta oder so eingeworfen. Aber diese Zeiten sind ja erst einmal vorbei.

Ach, die Seele aus dem Leib husten hat ja eine ganz neue nette Bedeutung für mich. Die Innenteile von den Kanülen werden ja Seele genannt. Und jedesmal wenn ich die Seele wechsele, muss ich husten …

Kein Schnarchen mehr dank Tracheotomie

Wir gehören hier im Haus ja alle drei zur Gruppe der Schnarcher. Auch ich kann nachts wohl ausgiebig und laut ganze Wälder abholzen. In Spanien war das bestimmt lustig, da haben wir in einem Reihenhaus gewohnt. Das Schlafzimmer war im ersten Stock, bis zur Straße waren es vielleicht sechs oder sieben Meter Luftlinie. Wenn wir beide Menschen dann zusammen mit unserem Labrador, der ja auch sehr laut schnarchen kann, in diesem Schlafzimmer gelegen und geschlafen haben, muss das draußen ein nettes Säge-Konzert gewesen sein.

Mein eigenes Schnarchen stört mich nicht. Das Schnarchen unseres Hundes sowieso nicht und wenn mein Mann nicht gerade auf dem Rücken liegt, ist auch sein Schnarchen durchaus aushaltbar.

Im Moment beschwert sich dieser Mann allerdings darüber, dass ich nicht schnarche. Dank meiner Tracheotomie und der Kanüle im Hals, die ja geblockt ist, ist ja auf Höhe Hals Schluss mit Luft. Die Stellen, die für die Schnarchgeräusche zuständig sind, passiert die eingeatmete Luft demnach nicht. Also bin ich wohl nachts jetzt so ruhig und still, dass mein Mann ab und an nachschaut, ob ich noch unter den Lebenden weile. Das kenne ich. Auch er hat manchmal nachts so schnarchfreie Minuten, ich glaube, ich werde von diesen sogar wach. Auch ich bin dann immer total irritiert und gucke nach, ob er noch atmet.

Jaja, eine Trachealkanüle mit Schnarchfunktion zur Beruhigung des Bettpartners, das wäre ja mal eine Erfindung. Zusätzlich zum Duschaufsatz wäre das doch mal ein nettes Feature 🙂

Wobei mich die Meldung meines Mannes auch sehr beruhigt: Das heißt nämlich, dass ich nachts doch recht gut durchschlafe und vor allem nicht huste. Denn das würde er trotz Trachealkanüle sicherlich hören.

Ingwer und Karotten bei Krebs

Wenn Mensch Krebs hat, dann erhält er aus der Umgebung sehr viele Ernährungstipps. Und auch wenn die Umgebung sich mal zurückhält, hat man selbst das Gefühl auch im Internet dauernd mit der Nase auf mögliche Lebensmittel gestoßen zu werden, die gut bei / gegen Krebs sein sollen. Und ständig werden einem Wunderdinge erzählt.

Ingwer soll helfen

Wir haben einen Bekannten. Der raucht auch und bekommt im Moment wohl leichte Panikanfälle, wenn er ein leichtes Kratzen im Hals verspürt. Er hat wohl Angst so zu enden wie ich und befürchtet nun ständig selbst einen Halstumor. Statt nun mit dem Rauchen aufzuhören, hat er sich für eine Wunderpille entschieden. Er schluckt nun regelmäßig Ingwerpastillen. Und schwört drauf. Immerhin gibt es wohl das eine oder andere Wehwehchen bei ihm, das seit dem er Ingwer schluckt weg ist. Er hatte u.a. wohl Probleme mit den Gelenken.

Ok, ich glaub ihm das. Und natürlich habe ich dann neugierig im Internet gesucht und da gibt es dann ja richtige Wunderdinge, die über Ingwer und Krebstherapie geschrieben werden. Daher habe ich uns jetzt auch eine Knolle Ingwer gekauft und werde jetzt wohl mal jeden Tag eine Tasse Ingwertee zubereiten. Heute habe ich damit angefangen. Das war recht lustig. Ich habe den Tee gemacht und als er etwas abgekühlt war zuerst meinem Mann zum probieren gegeben. Er fand ihn nicht sooooo schlimm, nur zu wenig Zucker (ich hatte eine Löffelspitze Honig dran). Ich hab den Ingwertee dann noch etwas abkühlen lassen und deswegen noch einmal eine Viertelstunde gewartet. Bei mir war der Ingwertee dann ziemlich scharf. Also irgendwie nicht so wirklich mein Fall.

Da ich das mit dem Ingwer aber versuchen möchte, habe ich mir nach einigen Löffeln Tee den Rest eben in die PEG gespritzt 🙂 Ich werde das einfach mal ein paar Tage versuchen. Zuerst ein paar Löffel richtig schlucken und wenn es zu scharf oder zu anstrengend wird, gibts das Zeug halt mit der Spritze.

Karottensaft

Auch Karottensaft soll wahre Wunderdinge bewirken im Kampf gegen Krebs. Allerdings muss man dann wohl zwei Liter frisch gepressten Karottensaft pro Tag wegtrinken. Das schaffe ich glaube ich noch nicht mal mit PEG, könnte aber auch daran liegen, dass unsere Saftpresse ziemlich unbequem ist und ich alleine zum Pressen von den zwei Litern einige Zeit in der Küche beschäftigt wäre. Daher versuch ich jetzt erst einmal regelmäßig ein Glas Karottensaft zu trinken und werde, wenn ich das gut schaffe, dann über eine neue Saftpresse nachdenken. Wobei ich nach ein paar Schlucken Karottensaft auch nicht wirklich Lust habe, noch mehr zu trinken. Aber auch hier hilft die PEG ganz wunderbar weiter.

Jetzt bin ich noch am überlegen, ob ich nicht in den Karottensaft ein wenig Ingwer reiben sollte. Und ich suche gerade ein Rezept, ich hatte mal eins für Karottensuppe abgeschmeckt mit Ingwer. Ansonsten kam noch Schnittlauch dran, an viel mehr kann ich mich leider nicht erinnern. Aber es wird schon wieder auftauchen.

Ich laub übrigens nicht, dass der Karottensaft oder der Ingwer Wunder bewirken werden. Aber Ingwer soll ja an sich schon anregend wirken und wenn ich etwas fitter in die Bestrahlung Anfang Januar gehe, dann ist das ebenso wenig ein Fehler, wie wenn ich dann mit Karottensaft gut gedopt bin. Mal gucken, es gibt ja noch andere Gemüse, die man auspressen kann. Ich werde demnächst auch mal rote Beete testen.

Kleiner Erfolg beim Schlafen

Immerhin, es gibt nach etwa einen Monat nach der ersten Operation einen kleinen Erfolg beim Schlafen. Ich gehöre ja zu den Menschen, die am liebsten auf der Seite schlafen. Rechts- oder Linksraum ist fast egal, ich wechsel das auch mehrfach in der Nacht. Schon im Krankenhaus habe ich es irgendwann geschafft, zumindest auf der rechten Seite schlafen zu können. Nur linke Seite ging nicht. Aber seit zwei oder drei Nächten geht das nun auch endlich wieder. Was gut ist, denn ich hab schon gemerkt, dass immer auf der rechten Seite schlafen irgendwie nicht gut ist und zu Verspannungen und leichtem Druckschmerz rechts geführt hat.

Auf dem Rücken schlafen mag ich ja so gar nicht. Ich liege vor dem Einschlafen gerne mal ein paar Minuten auf dem Rücken, aber wenn ichzu lange so liege, dann tun mir die Knie weh. Aber jetzt hab ich ja wieder zwei Seiten.

Im Krankenhaus war das ziemlich anstrengend. Am Anfang durfte ich nur auf dem Rücken schlafen und das bitte mit Kopfteil von Bett bei mindestens 45 Grad. Ächtz. Dann durfte ich nach und nach immerhin das Kopfteil immer weiter runter machen und nach zwei Wochen habe ich dann versucht mich neu dran zu gewöhnen, auf der Seite zu schlafen. Das war drei Tage nachdem die PEG gelegt worden war.

Das war ganz schön ungewohnt mit der Kanüle im Hals auf der Seite zu schlafen. Was ich richtig gerne mache, Decke bis über den Kopf ziehen und möglichst vollständig einmummeln geht so ja im Moment gar nicht. Am Anfang hatte ich auch Angst, dass ich im Schlaf gegen die Kanüle komme oder mir die Decke davor packe und dann womöglich ersticke. Falls es damit aber mal Nachts Probleme gegeben haben sollte, dann hab ich das wohl im Schlaf auch geregelt bekommen 🙂

Sprechkanüle – Reden können ist wirklich einfacher

So, ich habe ja zwei Trachealkanülen für den Alltag mitbekommen. So richtig erklärt hat mir die ja niemand, aber ich habe mir heute mal die Anleitung rausgesucht und durchgelesen.

Meine Kanülen haben zwei kleine Innenteile, die werden Seele genannt. Ich habe also dank den Kanülen jetzt eine auswechselbare Seele. Eine rote Seele und eine weiße Seele 🙂

Die weiße Seele ist ein geschlossenes gebogenes Röhrchen und wird in die Trachealkanüle rein geschoben. Das hat den Vorteil, wenn irgendwas verstopft, kann die weiße Seele raus geholt und gesäubert werden und ich bekomme sehr wahrscheinlich sofort wieder Luft. Denn das verstopfte Teil ist ja raus. Die rote Seele ist auf der äußeren gebogenen Seite geöffnet. Das ist die Sprechkanüle. Wenn die drin ist, ist die Blockung der Trachealkanüle zwar noch da, aber praktisch umgangen, denn durch die Öffnung bekomme ich Luft in den oberen Bereich, also dorthin wo Mund und Nase ist. Verschließe ich dann die Öffnung der Trachealkanüle zum Beispiel mit einem Finger, dann kann ich sogar reden. Und man versteht mich auch. Klar, in dem Moment strömt die Luft ja an den Stimmbändern vorbei. Die rote Seele braucht es eigentlich gar nicht zum reden, reden kann ich auch wenn ich die Trachealkanüle pur trage, also ohne irgendeine Seele drin.

Zusätzlich waren noch zwei kleine Stopfen in der Packung. Einmal geschlossen, die ist zum Duschen. Und eine, die ist wohl auch geschlossen, sieht aber von vorne aus, wie ein Gitter und die dient als Hustenschutz. Vorhin, nach dem erfolgreichen Trachealkanülenwechsel, war ich auch mit roter Seele und Duschschutz erst Duschen und anschließend habe ich auf Hustenschutz gewechselt und war einkaufen und konnte dabei sogar reden. Denn der Hustenschutz verschließt die Trachealkanüle wohl auch vorne, so als wenn ich einen Finger drauflege. Das heißt ich kann reden, ohne mit den Fingern dran rumfummeln zu müssen. Was natürlich sehr praktisch ist, wenn man einkaufen ist und schon jede Menge dreckige Dinge angefasst hat.

Ok, ich werde jetzt versuchen mindestens zwei Mal am Tag ca. zwei Stunden in den Sprechmodus zu gehen. Am Besten in der Zeit, in der ich mit dem Hund gehe. Auf Zeichensprache reagiert unser Hund nicht so wirklich, bzw. er guckt zu selten her, um mitzubekommen, wenn ich was will. Und außerdem habe ich dann auch nicht sofort die kalte Luft in der Lunge, wenn ich durch den Mund atme. Ich werde das heute Mittag gleich mal testen.

Erste Mal sprachlos einkaufen

Heute war ich zum ersten Mal seit der Entlassung aus dem Krankenhaus und meiner neuen Sprachlosigkeit ganz alleine einkaufen. Und damit es auch richtig lustig wird, habe ich noch die Pfandflaschen mitgenommen. Neben meinem Einkaufszettel hatte ich noch einen Zettel für die Fleischtheke mit. Als erstes der Hinweis, dass ich derzeit nicht sprechen kann und dann meine beiden Wünsche. Lustig würde es, falls sie eins von beiden nicht haben sollten. Aber dann kann ich ja was neues aufschreiben.

Am Flaschenautomat war es ganz lustig. Erst hat der Automat gesponnen, weswegen die Frau hinter mir sofort bereit war, rein zugehen und Bescheid zu sagen. Dann haben sich etwas später hinter mir zwei über mich unterhalten, als wenn ich nicht da wäre. Viele Menschen asozieren lustigerweise: Nicht reden können = auch nichts hören können. Und ganz am Schluss hat mich sogar eine auf meine beiden Narben links und rechts am Hals angesprochen. Ihr Bruder hatte wohl eine ähnliche Operation. Nunja.

Im Laden war ich dann sehr aufmerksam. Ich gehe da öfters einkaufen, also werde ich dort auch gegrüsst. Also habe ich dann jedesmal sehr freundlich zurückgewunken. Die eine oder andere Verkäuferin war zwar irritiert, aber das wird schon.

An der Fleischtheke hat das mit dem Zettel gut geklappt. Ich hatte den schon zu Hause vorgeschrieben, damit man ihn auch ja lesen kann 🙂

Bei der Bäckerei, die vorne dran ist, hätte mich der Zettel nicht weiter gebracht. Das Brot was ich haben wollte, war natürlich aus. Aber mit Händen und Fingern habe ich dann ein anderes Brot ausgesucht bekommen und die Verkäuferin war auch sehr nett.

Immerhin. Ich habe alles bekommen, hab mich an die Fleischtheke getraut und alles gut.

Ich hab zwar etwas länger gebraucht, das hing aber eher damit zusammen, dass ich zwei, drei Dinge nicht aufgeschrieben hatte.

Wann darf ich endlich Duschen?

So. Eine spannende Frage bleibt ja. Wann darf ich endlich wieder Duschen ode gar Haare waschen. Seit dem ich im Krankenhaus bin konnte ich mich ja wenn nur waschen. Und das ist wenn man an täglich Duschen gewöhnt ist, doch nur eine sehr notdürftige Art der Säuberung. Aber in den ersten Tagen durfte ich nicht Duschen, weil die Gefahr bestand, wenn ich mit heißem Wasser in Kontakt komme, dass ich an der Halswunde nachblute. Dann war die Schonfrist von knapp eine Woche für diese Nachblutungsgefahr vorbei und es hatte keiner Zeit, mir beim Duschen und Haare waschen zu helfen und wumms lag ich ja wieder unter dem Messer und habe seit dem zwei schicke neue Nähte am Hals wegen der Entfernung der Lymphknoten. Außerdem habe ich letzten Freitag eine PEG verlegt bekommen. Mit diesr dürfte ich seit heute wieder duschen, aber nur mit wasserdichtem Pflaster. Aber ich habe ja immer noch die Nähte.

Also habe ich heute mal gefragt: Heute und morgen werden die Klammern am Hals entfernt und dann dürfte ich theoretisch am Freitag duschen. Doof nur, dass es keine wasserdichten Pflaster gibt. Also wird das wohl auch nichts werden. Am Wochenende soll ich eigentlich entlassen werde. Jetzt bin ich am hin und herüberlegen: Mir noch ein wasserdichtes Pflaster mitbringen lassen? Oder wieder nur Katzenwäsche aber diesmal wenigstens mit Haare unter dem Wasserhahn waschen. Seufzel.

Update:
Es ist Ende Dezember. Mit dem Duschen ist es immer noch nicht so einfach. Das mit der PEG wäre jetzt weniger ein Problem und auch mit dem Luftröhrenschnitt und Wasser komme ich gut klar. Dummerweise habe ich aber ein Pflaster gegen die Schmerzen am Rücken. Fentanyl TAD und das soll nicht mit heißem Wasser zusammen kommen. Denn dann könnte es passieren, dass es durch das heiße Wasser viel zu viele Schmerzhemmer auf einmal absondert und das wäre wohl gar nicht gut. Da ich aber schlecht mit kaltem Wasser duschen kann (bzw. das nicht möchte), dusche ich nun zwei Tage so halb (halt ohne Haare) und am dritten Tag rupf ich mir das Pflaster vom Rücken und dann wird ausgiebig schön warm geduscht und zwar mit Haare waschen. Danach kommt das Pflaster mit den Schmerzmitteln wieder dauf (es ist ein 72 Stunden Pflaster) und gut ist. Find ich einen guten Kompromiss.